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Haushalt

Warum ein wachsender Kontostand nicht mehr Kaufkraft bedeuten muss

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FSO Ark Redaktion · 24. August 2026 · 8 Minuten
Frau vergleicht zwei Produkte im Supermarkt

Der Kontostand steigt jedes Jahr ein wenig. Die Zinsen werden gutgeschrieben, nichts wird abgebucht, und die Zahl im Online-Banking ist im Dezember höher als im Januar. Trotzdem kann man sich von diesem Geld weniger kaufen als ein Jahr zuvor. Das ist kein Widerspruch, sondern der Unterschied zwischen nominal und real.

Dieser Beitrag erklärt, was die Inflationsrate misst, wie man sie mit dem eigenen Sparzins vergleicht und warum dabei nur eine bestimmte Zahl die richtige Vergleichsgröße ist: der Zins nach Steuern.

Was die Inflationsrate misst

Das Statistische Bundesamt berechnet monatlich den Verbraucherpreisindex. Er bildet ab, wie sich die Preise eines Warenkorbs verändern, der den durchschnittlichen Konsum privater Haushalte in Deutschland abbildet: Lebensmittel, Miete, Energie, Verkehr, Freizeit, Kleidung und vieles mehr. Die Inflationsrate ist die Veränderung dieses Index gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres.

Nach dem vorläufigen Ergebnis von Destatis lag die Inflationsrate im August 2026 bei 2,9 Prozent. Im Juli 2026 waren es 2,8 Prozent, im Juni 2,3 Prozent. Die sogenannte Kerninflation, also ohne Energie und Nahrungsmittel, lag im August bei 2,4 Prozent. Die Zahlen schwanken von Monat zu Monat, und die eigene Inflation weicht vom Durchschnitt ab, je nachdem, wofür man sein Geld ausgibt.

Nominal und real

Nominal ist der Betrag, der auf dem Konto steht. Wer 10.000 Euro zu 2,5 Prozent anlegt, hat nach einem Jahr nominal 10.250 Euro. Real ist, was dieser Betrag kaufen kann. Wenn die Preise im selben Jahr um 2,9 Prozent gestiegen sind, kostet der Warenkorb, der vorher 10.000 Euro gekostet hat, jetzt 10.290 Euro. Die 10.250 Euro reichen dafür nicht mehr ganz.

Die vereinfachte Rechnung

Reale Rendite ≈ Nominalrendite minus Inflationsrate. Bei 2,5 Prozent Zins und 2,9 Prozent Inflation: 2,5 − 2,9 = −0,4 Prozent. Exakt wäre (1,025 / 1,029) − 1 = −0,39 Prozent. Für kleine Werte ist die Subtraktion eine ausreichend genaue Näherung.

Eine negative reale Rendite bedeutet nicht, dass Geld vom Konto verschwindet. Sie bedeutet, dass die Kaufkraft des Guthabens langsamer wächst als die Preise. Über ein Jahr ist der Effekt klein. Über zehn Jahre summiert er sich.

Warum der Nettozins die richtige Vergleichsgröße ist

Der häufigste Fehler beim Inflationsvergleich ist, den Bruttozins zu verwenden. Auf Zinsen oberhalb des Sparer-Pauschbetrags behält die Bank Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ein. Was tatsächlich auf dem Konto ankommt, ist der Nettozins. Nur er lässt sich sinnvoll mit der Inflation vergleichen.

Situation (2,5 % Bruttozins, 2,9 % Inflation)SteuerNettozinsReal
Erträge innerhalb des Pauschbetrags0 %2,50 %ca. −0,4 %
Erträge voll steuerpflichtig, ohne Kirchensteuer26,375 %1,84 %ca. −1,06 %
Erträge voll steuerpflichtig, 9 % Kirchensteuer27,995 %1,80 %ca. −1,10 %

Die Tabelle zeigt zwei Dinge. Erstens: Der Sparer-Pauschbetrag verbessert das reale Ergebnis spürbar, weil er den Steuerabzug innerhalb des Freibetrags verhindert. Zweitens: Auch mit vollem Freibetrag kann die reale Rendite negativ sein, wenn die Inflation über dem Zins liegt. Der Freibetrag kann die Inflation nicht beseitigen.

Was das über zehn Jahre bedeutet

Ein Rechenbeispiel mit konstanten Werten, die es in der Wirklichkeit nicht gibt: 10.000 Euro, 2,5 Prozent Zins innerhalb des Freibetrags, 2,9 Prozent Inflation, jedes Jahr gleich. Nach zehn Jahren stehen nominal rund 12.801 Euro auf dem Konto. Der Warenkorb, der zu Beginn 10.000 Euro kostete, kostet jetzt rund 13.310 Euro. Die reale Kaufkraft des Guthabens ist auf umgerechnet rund 9.617 Euro gesunken, ein Verlust von knapp 4 Prozent, obwohl der Kontostand um 28 Prozent gestiegen ist.

Ohne Freibetrag und mit 1,84 Prozent Nettozins wären es nominal rund 12.000 Euro und real rund 9.016 Euro. Der Freibetrag macht in diesem Beispiel über zehn Jahre einen realen Unterschied von rund 600 Euro. Kein Bonus, sondern vermiedener Steuerabzug.

Welche Inflationsrate für wen gilt

Der Verbraucherpreisindex ist ein Durchschnitt. Wer einen großen Teil seines Einkommens für Miete und Energie ausgibt, erlebt eine andere Preisentwicklung als jemand mit abbezahltem Haus und hohem Anteil an Freizeitausgaben. Das Statistische Bundesamt stellt einen persönlichen Inflationsrechner bereit, mit dem sich die eigene Rate nach Ausgabenstruktur schätzen lässt. Für die Frage „Verliert mein Sparguthaben an Kaufkraft?“ ist die persönliche Rate aussagekräftiger als der Durchschnitt.

Was man daraus nicht ableiten sollte

  • Nicht: „Sparen lohnt sich nicht.“ Eine Reserve, die jederzeit verfügbar ist, hat einen Zweck, der nicht in Rendite gemessen wird.
  • Nicht: „Also in etwas Riskanteres umschichten.“ Höhere erwartete Renditen gehen mit höheren Risiken einher, und dieser Beitrag gibt keine Anlageempfehlung.
  • Nicht: „EZB-Zins minus Inflation ist meine Rendite.“ Der Einlagesatz der Europäischen Zentralbank ist kein Sparzins für Verbraucher; die richtige Größe ist der eigene Nettozins.

Einordnung

Ein wachsender Kontostand ist eine nominale Größe. Ob er mehr Kaufkraft bedeutet, entscheidet der Vergleich zwischen Nettozins und Inflation. Der Sparer-Pauschbetrag kann den Nettozins innerhalb des Freibetrags auf Höhe des Bruttozinses halten, mehr nicht. Wer beide Zahlen kennt, weiß, ob sein Sparguthaben real wächst, stagniert oder schrumpft. Alle Werte in diesem Beitrag sind Rechenbeispiele mit vereinfachten Annahmen; Inflationsraten ändern sich monatlich, Zinssätze jederzeit.

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Quellen

  1. Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindex und Inflationsrate August 2026 (vorläufig) — https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/08/PD26_311_611.html
  2. Statistisches Bundesamt, Persönlicher Inflationsrechner — https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Verbraucherpreisindex/_inhalt.html
  3. Deutsche Bundesbank, Realzins und Kaufkraft von Ersparnissen — https://www.bundesbank.de/de/statistiken/geld-und-kapitalmaerkte/zinssaetze-und-renditen
Hinweis Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung. Er ist keine individuelle Anlage-, Steuer-, Rechts- oder Finanzberatung, keine Produktvermittlung und keine Empfehlung einer bestimmten Bank oder eines bestimmten Sparprodukts. Akuntan OÜ ist keine Bank, kein Finanzamt und keine Behörde und eröffnet keine Konten.

Alle Rechenbeispiele sind vereinfacht und dienen nur der Veranschaulichung. Persönliche Steuerergebnisse können insbesondere durch Kirchensteuer, andere Kapitalerträge, Verluste, Veranlagungsoptionen und die individuelle Situation abweichen. Zinssätze und Inflationsraten ändern sich laufend. Vor einer persönlichen Anlage- oder Steuerentscheidung sollten die aktuelle Rechtslage, die konkreten Konditionen und bei Bedarf eine fachkundige Beratung berücksichtigt werden.